Sonntag, 8. Juli 2018

Sachsen / Saxony 2009 - Dresden - Bautzen - Görlitz


Dresden, auch Elbflorenz genannt oder Florenz des Nordens


Es ist Mitte Oktober, und es schneit (!) in Sachsen. Schwere graue Wolken hängen über Dresden, die die Stadt verdunkeln, die Häuser und Straßen ergrauen lassen. Kein Gedanke an Florenz! Der Schnee verwandelt sich in Matsch und Pfützen. Die Kamera kämpft verzweifelt gegen all die Grau- und Schwarztöne an.


Schloßplatz mit (rechts) kath. Hofkirche









Dresdner Frauenkirche, Dresdner Barock, erbaut 1726 - 1743, Ende des Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, dann ausgebrannt und eingestürzt. Ruinenreste fungierten nach 1945 als Mahnmal. Wiederaufbau 1996 - 2005. 1664 Sitzplätze, jährlich nahezu 2 Millionen Besucher. Der Eintritt in die "Offene Kirche" ist kostenlos.




Der Aufstieg am Eingang G, in die Kuppel und zur Aussichtsplattform, kostet (bspw. Erwachsene 2018) acht Euro. Ein Aufzug bringt die Besucher nur 24 m hoch. Weiter gehts über schmale Treppen zur Wendelrampe, einem stufenlos ansteigenden Wendelgang, der die äußere Kuppel zweieinhalb Mal umrundet. Über zwei weitere Treppenläufe gelangt man zur 67 m hoch gelegenen Aussichtsplattform - mit grandiosen Ausblicken über Dresden und Umgebung.





Die Elbe in Richtung Sächsische Schweiz



Die Elbe in Richtung Wittenberg


Blick auf den Neumarkt




Restaurierte Bürgerhäuser rund um den Neumarkt.



Das Stadtmuseum, eine Stilmischung aus Barock, Rokoko und Klassizismus, befindet sich im Landhaus. Einst war es Sitz der Landstände und von 1832 bis 1907 des Sächsischen Landtages.

1945, bei den Luftangriffen auf Dresden, wurde das Museum, damals Teil des Neuen Rathaus, zerstört. Die Hälfte des Bestands wurde zuvor durch Auslagerung gerettet, die andere Hälfte verbrannte oder ging durch Plünderungen verloren.








Links eine Büste von Richard Wagner aus dem Jahr 1873 vom Künstler Gustav Adolph Kietz ... die anderen Herren habe ich vergessen.




Semperoper




Theaterplatz mit König-Johann-Denkmal vor der Gemäldegalerie Alte Meister


Hugo Zietz, Inhaber der Orientalischen Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze (gegr. 1886), importierte den Tabak für seine Zigaretten aus dem Anbaugebiet von „Yenice“. Es ist der türkische Name der Kleinstadt Genisea im heutigen Nordgriechenland. Die ehemalige Fabrik (1908) gehört zu den architektonischen Sehenswürdigkeiten Dresdens.









Als die Sonne kurz auftaucht: Goldener Reiter. Friedrich August I. von Sachsen, genannt August der Starke (1670-1733) war ab 1694 Kurfürst und Herzog von Sachsen sowie ab 1697 zugleich August II. König von Polen-Litauen. Er gilt als eine der schillerndsten Figuren höfischer Prachtentfaltung und begründete durch seine rege Bautätigkeit und Sammelleidenschaft den Ruf Dresdens als prunkvolle barocke Metropole. 



Restaurierte Bürgerhäuser in der Hauptstraße der Neustadt.




Die restaurierte Neustädter Markthalle



Restaurierte Häuser in der Neustädter Rähnitzgasse ...



... und wie die meisten alten Häuser der Dresdner Neustadt am Ende der DDR aussahen.



Der Fürstenzug, ein überlebensgroßes Bild eines Reiterzuges, aufgetragen auf rund 23.000 Fliesen aus Meißner Porzellan. Das 102 Meter lange, als größtes Porzellanwandbild der Welt geltende Kunstwerk stellt die Ahnengalerie der zwischen 1127 und 1873 in Sachsen herrschenden 34 Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige aus dem Geschlecht des Fürstenhauses Wettin dar.



Ein Muß für jeden Dresden-Besucher (speziell auch für Kinder!), das 1912 gegründete Deutsche Hygiene-Museum, ein öffentliches Forum für Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. 

Auf meinen Reisen weltweit habe ich zahllose Museen besucht; dieses hier zählt für mich zu den (fünf) Spannendsten. Der abgebildete Bau wurde 1930 eröffnet und nach schwerer Zerstörung durch Bomben im Februar 1945 zu DDR-Zeiten wieder aufgebaut, dann von 2001-2005 saniert und umgebaut. Als populärer Ausstellungs- und Veranstaltungsort zählt das Haus heute rund 280.000 Besucher jährlich.Toll!


Permanent zu sehen sind das „Kinder-Museum Unsere fünf Sinne“ (Fotos 1 bis 3) und die Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“.








Fünf Laufminuten vom Dresdner Hauptbahnhof, in der belebten Fußgängerzone, Ausblick vom Hotelfenster auf die autofreie Prager Straße.


Bautzen (mit etwas Schnee und viel Regen)




Merian Stich von Bautzen um 1650



Bautzen an der Spree mit der Hammermühle, heute gleichzeitig Mahl-, Öl- und Senfmühle, noch immer angetrieben von der Kraft der Spree, geht zurück bis in das 15. Jahrhundert. Sie wurde im Jahre 1493 von der Stadt Bautzen als Drahtmühle erbaut. Im Jahr 1740 wurde die Mühle um ein Eisenhammerwerk erweitert.




Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Nikolaikirche zerstört. Rund um die Kirchenruine befindet sich seit etwa 200 Jahren ein katholischer Friedhof. Der liegt außerhalb der Stadtmauer, und von hier hat man einen schönen Blick hinunter in das Tal der Spree.






Schlossstraße mit Blick auf den Matthiasturm, ein Tortum aus dem späten 15. Jahrhundert, benannt nach dem ungarischen König Matthias Corvinus, der von 1469 bis 1490 als Landesherr der Oberlausitz Besitzer der Burg war.


Schloßstraße 14, Gersdoffsches Palais, herrschaftliche Haus, erbaut 1680, gilt als eine der schönsten und bedeutendsten Barockbauten von Bautzen.





Restaurierte barocke Bürgerhäuser am Hauptmarkt.



Das barocke Rathaus, u.a. mit Sonnenuhr - zwischen Hauptmarkt (hier) und Fleischmarkt - wurde zwischen 1729 und 1732 errichtet.



Der Reichenturm, Teil der ehem. Stadtbefestigung, wurde zwischen 1400 und 1402 erbaut. Er ist etwa 55 Meter hoch, auch gerne als "schiefer Turm von Sachsen" bezeichnet (bei Untersuchungen wurde 1747 festgestellt, dass die Spitze des Turms mehr als eine halbe Elle in Richtung Reichengasse vom Lot abweicht) und wird heute als Aussichtsturm genutzt.










Mein Pensionszimmer in der Flinzstraße


Gedenkstätte Bautzen im ehemaligen Stasi-Gefängnis Bautzen II. Seit 1965 nutzte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR Bautzen II als Sondergewahrsam. Bis 1989 wurden hier Oppositionelle, Ausreisewillige, Fluchthelfer, Spione und abtrünnige MfS-Mitarbeiter inhaftiert.

3 Fotos © Stiftung Sächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bautzen (Hofeinfahrt Weigangstraße, im Hintergrund das Amtsgericht - Freiganghöfe - Rekonstruktion einer Viermann-Zelle aus dem Speziallager Bautzen I, genannt "Gelbes Elend") 

Eintritt und Führungen in Bautzen II sind kostenlos. Ich hatte bereits vorher über die Bautzener Gefängnisse gelesen, weshalb ich mich bei der Führung schon bald von der Gruppe löste. Alleine im Arresttrakt, dem Isolationsbereich, den Gängen und Haftzellen, während man erschütternde Häftlings-Biographien liest, bekommt man mit einem beklemmenden Gefühl auch eine kleine Ahnung von den Repressionen und dem Leiden der Insassen.


Görlitz, ein Städtchen wie aus einem alten Bilderbuch


Görlitz blieb im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen fast völlig verschont. Die historische Altstadt, an deren Häusern alle wesentlichen Phasen der mitteleuropäischen Baustile (Spätgotik,-, Renaissance- und Barockbürgerhäuser) erkennbar sind, blieb erhalten. Mit über 4000 großteils restaurierten Kultur- und Baudenkmalen wird Görlitz oft als das flächengrößte zusammenhängende  Denkmalgebiet Deutschlands bezeichnet.



Geradezu "spannend" wirkt das Zusammentreffen von Bau-Zuständen zum Ende der DDR und Restaurierungen nach der "Wende". 2009 gab es noch eine ganze Reihe solch extremer Kontraste.


Leider waren auch meine drei Tage in Görlitz überwiegend verregnet und ergraut, was sich insbesondere fotografisch auf die fantastische Farbigkeit der Gebäude höchst negativ auswirkt. Die Aufnahmen sprechen, denke ich, - auch ohne Erläuterung - für sich.
































Die Fußgängerbrücke über die Neiße, die seit 1945 die Grenze zu Polen bildet, vom deutschen Görlitz (56.000 Einwohner) ins polnische Zgorzelec (32.000 Einwohner), den durch die Grenzziehung abgetrennte Stadtteil.




Der Eisenbahnviadukt über die Neiße in Richtung Bolesławiec (Bunzlau)



Fünf Aufnahmen vom und auf dem östlichen Ufer der Neiße, dem polnischen Zgorzelec.






Fünf Aufnahmen vom westlichen Ufer der Neiße, mit Blick nach Görlitz.






Die Gesellschaft für das Museum der Fotografie Görlitz e.V. wurde im Jahr 2000 von Enthusiasten der Fotografie gegründet. Ziel war es, das photographische Erbe, das Photographen und photographische Bedarfsartikelhersteller hinterlassen haben, aufzuarbeiten, zu pflegen und weiterzugeben. Das Museum befindet sich auf historischem Boden, in den Räumen der einstigen Firma Ernst Herbst & Firl  in der Löbauer Straße. 1893 wurden das Gebäude und die Werkräume erbaut und bis 1923 zur Herstellung photographischer Apparate genutzt.


Mit den Büsten von William Henry Fox Talbot (englischer Fotopionier; er entwickelte das Prinzip des Negativ-Positiv-Verfahrens, das die Vervielfältigung eines fotografischen Bildes durch Abzüge vom Negativ ermöglicht). Und von  Louis Jacques Mandé Daguerre (französischer Maler und Erfinder eines fotografischen Verfahrens, der Daguerreotypie. Neben Talbot gehört er zu den Pionieren der Fotografie). Und von Claude Félix Abel Niépce de Saint-Victor (französischer Chemiker, Erfinder und Fotograf).



Der Regenschirm am Eingang, die nassen Hosen überm Stuhl und die nassen Schuhe an der (laufenden!) Heizung zeigen, dass es bis zum letzten grauen Reisetag geregnet und manchmal sogar geschneit hat. Impressionen von meinem Pensionszimmer in Görlitz.


 
 Demnächst poste ich:
2010 - meine 4. Vietnam-Reise - fünf Wochen ...

My Tho und Vinh Long (der Süden), 
von Hanoi mit dem Zug nach Sapa (Grenze zu China), 
die Insel Cat Ba, 
von Saigon auf die Insel Phu Quoc