Donnerstag, 6. April 2017

Kreta (2007), ein Gebirge im Meer, ein 8336 km² großes Freilichtmuseum, eine lebens- und liebenswürdige Insel.




Meine "Wohnorte" waren Heráklion, Chaniá und Ágios Nikólaos. 

Davon ausgehend habe ich u.a. Réthimnon, die Halbinsel Akrotiri, Stavros, Frangokastello, Paleochora, Eloúnda, Sitía, Kritsa und Pefki besucht ... die Strände von Elafonísi, Kalidon, Koraka, Vulisma und Vái ... die Schluchten Imbros und Topolia ... die Kloster Agia Triada, Chrissoskalitissa, Gonia und Toplou ... und die Ausgrabungen von Knossos ... (rote Kreise).

Heráklion (Iraklion, Iraklio)





Am Ende der langen Mole, die die Einfahrt in den alten Fischerhafen schützt, steht das wuchtige Kastell Kástro Koúles, mit meterdicken Mauern, hohen Zinnengängen und marmornen Markuslöwen an Nord- und Südseite, 1523-40 von den Venezianern erbaut. Breite Gänge mit Rundbögen, schwere eisenbeschlagene Holztüren, düstere Gewölbe mit Lichtschächten und Schießscharten vermitteln die Vorstellung von einer mittelalterlichen Burg. Die 26 Innenräume sind allerdings leer.









Ein Bett in Heráklion kann man sich sparen, es sei denn das Flugzeug landet nach 23 Uhr (was mein Taxi-Fahrer weidlich ausnutzte). 

Es ist schade um jeden Kreta-Tag, den man hier - zwischen Einheitshäuserkästen und unkontrolliertem Wildwuchs-Bauen, in städtischem Stress, Staub und Hitze - verplempert. 

Die Inselhauptstadt, mit ihren inzwischen wohl 180.000 Einwohnern, hat nahezu null Atmosphäre, zudem ist sie Dreh- und Angelpunkt des gesamten Inseltourismus und Inselbusverkehrs. Hier werden Touristenherden durchgetrieben ("schnell mal nach Knossos"), Massen von An- und Abreisenden warten auf Busse, Fähren oder Flugzeuge.


Direkt neben den gesichtslosen, 'modernen' Schuhkartonhäusern wird noch Geschichte und Vergangenheit ausgebuddelt.




Das kleine Hotel KRONOS - 2, Sof. Venizelou Str. & M. Agarathou - liegt nur ein paar Schritte vom Hafen entfernt, einige Zimmer (an der hektischen Uferstraße) haben Meer/Hafenblick. 2007 erlebte ich es einfach, solide und sauber. Inzwischen wurden (vor allem die Zimmer) deutlich aufgehübscht; dabei blieben die Preise bis heute (2017) nahezu unverändert günstig.


 Réthimnon



Erst muß man die hässlichen Außenbezirke durchqueren, um in die schnucklige Altstadt mit ihren türkisch, venezianisch und italienisch geprägten Gassen und Häusern und zum Hafen zu gelangen. 

An die Türken erinnern die vergitterten Holzerker, schlanke Minarette und die bauchigen Kuppeldächer ehemaliger Moscheen. Die Häuser selbst mit eleganten Portalen und Torbögen sind venezianischen Ursprungs. Und die alten Häuser am venezianischen Hafen mit verblassenden Pastelltönen, schmiedeeisernen Balkonen und großen Fensterläden erinnern an Italien.

Mein Problem beginnt mitten im Zentrum: ein flacher weißer Sandstrand, der sich kilometerweit nach Osten zieht - und Scharen von Touristen anzieht. Deshalb - Réthimnon ist mir zu touristisch.












In Chaniá habe ich mich ein bißchen verliebt




Wenn ich mir auf Kreta eine Wohnung suchen sollte, dann in der etwa 50.000 Einwohner zählenden Hafenstadt Chaniá. Ich wüßte nur nicht, ob eine mit Meerblick oder eine in den heimeligen Gassen des Altstadtviertels Kasteli - ideal wäre beides zusammen.

Die zweitgrößte Stadt Kretas ist ebenso vital wie idyllisch und besitzt sogar einen internationalen Flughafen. Chaniá hat (im wahrsten Sinne des Wortes) Atmosphäre, besitzt aber zugleich ein modernes Krankenhaus, eine Technische Universität und ein Goethe-Zentrum. Und ja, es gibt Tourismus, aber das Kretische dominiert. 2007 war das Autoverkehrschaos noch schlimm. Dennoch - an 70 Prozent der Tage eines Jahres scheint die Sonne.

















Vom Ausgangspunkt Chaniá kann man ideal Kretas gesamte Westspitze entdecken. Selbst zum westlichsten Punkt, den Traumstränden von Elefanosi, sind es mit dem Auto nur knapp 1 1/2 Stunden.





Ich bewohnte das wohl kleinste Studio (das inzwischen nicht mehr angeboten wird?) der Neli-Studios am Mitropoleos Platz, aber der Eingang ist in der (hier gezeigten) Isodion 21. 

Das aus 4 Häusern bestehende Gebäude ist eine beeindruckende Mischung aus venetianischer und türkischer Architektur. Die anderen Studios sind weit größer und sehr geschmackvoll gestaltet ... siehe Link oben. Wirklich empfehlenswert!
















An der runden Hafenmole drängen sich historische Hausfassaden, gleich dahinter klettern verwinkelte Treppenwege mit Torbögen hügelan, teilweise sind die Häuser übereinander geschachtelt auf antike Gemäuer gebaut, Stücke der venezianischen Stadtmauer gehören ebenso dazu wie türkische Minarette, Reste der alten Hafenbefestigungen und die mächtigen Arsenale. Obwohl deutsche Bomben 1941 fast die Hälfte der Altstadt in Schutt und Asche legten, ist Chaniá immer noch das bedeutendste bauhistorische Ensemble Kretas.









Akrotíri Halbinsel


Die überwiegend karge und dünn besiedelte Akrotíri-Halbinsel war der ideale Zufluchtsort für Mönche - gleich vier Klöster stehen hier (siehe folgend Agía Triáda). 

Neben Olivenbäumen und Weinplantagen gibt es Chaniás Flughafen 'Daskalojannis' (16 km bis zum Stadtzentrum), einen bis zu 530 m hohen kahlen Gebirgszug, die Filmkulisse von 'Aléxis Zórbas', entsetzlich viel Militärpräsenz und - seit Anfang der 70er Jahre und gegen heftigste Proteste der Bevölkerung - eine Raketenabschußbasis der Nato.



Stavros und "Aléxis Zórbas"


Zu "Alexis Sorbas", mit den brillanten Schauspielern Anthony Quinn und Alan Bates, hat mich 1965 meine Mutter eingeladen. Wir waren hin- und hergerissen.

Gute 50 Jahre später habe ich den Hollywood-Klassiker noch immer im Kopf. Aber den quasi ausgestorbenen (Dreh)Ort - Strand und Berg von Stavros - empfand ich als abweisend, öde und ziemlich deprimierend. Hier - schreiben Reiseführer - soll es den schönsten Strand der Halbinsel geben - - - naja.



Agía Triáda


Das ansehenswerte Kloster wurde im 17. Jahrhundert im venezianischen Stil erbaut. Durch das Renaissance-Portal betritt man einen schmucken Innenhof mit hübschen Treppen, Brüstungen und der Klosterkirche mit ihrer prächtigen Kalksteinfassade im antikisierenden Stil. Steigt man auf den Glockenturm, hat man einen herrlichen Blick über die Ländereien des Klosters ... in dem übrigens die Klosterszenen des Films 'Aléxis Zórbas' gedreht wurden.












Elafonísi




Eine solche Strandlandschaft, in dieser Dimension, hatte ich noch nicht gesehen. Lagunenatmosphäre zwischen der verzweigten Küste und der malerisch vorgelagerten Insel, zartblaue Wasserbecken, weitgehend nur knöcheltief, warmes glasklares Wasser, weicher weißer, z.T. rötlich schimmernder Sandstrand, eine weitläufige Dünenlandschaft und manch schattigen Wacholderbaum. Der Strand von Elafonísi gilt als die schönste Badestelle Kretas. Zur vorgelagerten Insel Elafonísi - 100m vor der Küste - watet man hinüber. Das ganze Gebiet steht unter Naturschutz.









Chrissoskalítissa Kloster


6 km sind es vom Elafonísi-Strand zum dekorativ auf einem Felsen über dem Meer thronenden, blendend weißen Kloster, in dem 2007 nur noch ein einziger Mönch mit einer ihm verwandten Nonne leben sollte. 1943 besetzte die deutsche Wehrmacht das Kloster und nutzte es als Gefängnis.








 Die Schlucht von Topólia und die Westküste



Durch die üppig bewachsene, steilwandige Schlucht des Flusses Tiflós, die ich nur von oben bewunderte, führt ein beliebter Wanderweg.





Bis auf den äußersten Norden und Süden ist die Westküste Kretas touristisch weitgehend unberührt. Kaum ein Ort liegt direkt am Meer, allerdings gibt es ein paar Stichstraßen, die zu kleinen Stränden führen. An welchem Punkt diese drei Ausblicke aufs Meer aufgenommen wurden erinnere ich nicht mehr.




Frangokástello









Die Reste dieses venezianischen Kastells (1731) liegen einsam in einer steppenartigen Ebene - ganz nah bei dem obigen, idyllischen Friedhof. Dahinter türmen sich Felsmassive, an deren Hängen weiße Bergdörfer 'kleben'. Vor dem Kastell gibt es einen Sandstrand mit Lagune, im Umkreis liegen weit verstreut Ferienhäuser und Tavernen.




Vor dem Kastell steht zum Gedenken an die Schlacht im Jahr 1828 während des Unabhängigkeitskrieges gegen die Türken eine Bronzebüste, die den Anführer Chatzimichális Daliánnis zeigt, er und seine 385 Männer liegen im Küstensand begraben.




Imbros Schlucht und Koraka Strand



Die abenteuerliche, 12,8 km lange schmale Straße - oberhalb der Schlucht - von Faraggii Improu nach Chóra Sfakion besteht aus einer Haarnadelkurve nach der anderen. An diesem Adlernest ähnlichen Aussichts-Restaurant stauen sich die autofahrenden Touristen.


Die Imbrosschlucht bei Chóra Sfakíon ist nach der Samariaschlucht die meistbesuchte Schlucht auf Kreta. Im Sommerhalbjahr wandern jeden Tag hunderte Touristen (8 km) durch die Schlucht, die sich zur Südküste, zum Lybischen Meer hin, öffnet.




Goniá Kloster


Die Geschichte des Klosters - bis heute - und seine Nutzung sind wahrlich spannend. Die Ursprünge gehen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Eremiten gründeten an der Spitze der Halbinsel Rodópou ein Kloster, dessen Ruinen heute noch stehen. 

Wegen vieler Piratenüberfälle verlegte man es an seinen heutigen Standort. Erbaut wurde es in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Fünfmal wurde es von den Türken geplündert und zerstört, aber immer wieder aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg war es ein Widerstandzentrum gegen die deutsche Besatzungsmacht, 1941 besetzten es deutsche Truppen.


Goniá soll eines der meistbesuchten und bekanntesten Klöster Kretas sein. Ich jedoch erlebte es in geradezu verwunschener Vereinsamung. Weit und breit kein Mensch und kein Mönch. Ein Ort zum Träumen. In den Innenhof, mit Weinstöcken, Zitronenbäumen und Aurakarien, traute ich mich zunächst kaum hinein, geschweige denn Geräusche zu machen.








Paleochóra



Der erste Eindruck - überall Blumen, Blütenpracht, Büsche und Schatten spendende Bäume - liebevoll gepflegt. Paleochóra liegt auf einer ganz vom Wasser umgebenen Halbinsel. Gleich dahinter stürzen schroffe Felshänge steil herab. 

Rucksacktouristen haben zu Zeiten der Hippies dieses Kleinod in fantastischer Lage entdeckt, das sich zu einem bunten, aber sehr kretischen Urlaubs-Dorado - von 'pauschal' bis 'alternativ' - entwickelt hat. Kilometerweit zieht sich der flach abfallende Sandstrand 'Pachiá Ámmos' hin. Abends wird die Hauptstraße für den Verkehr gesperrt und hübsch illuminiert.





Wie viele Orte der Südküste existiert auch Paleóchara seit etlichen Jahrhunderten. Den Überlieferungen zufolge wurde es mindestens drei Mal zerstört. Von stürmischen Zeiten "erzählen" die Ruinen-Reste der hoch über der Altstadt gelegenen venezianischen Festung, dem „Kastell Selinou“; sie sind frei zugänglich. Von hier oben hat man einen fantastischen Rundblick über den Ort, die Strände, den Hafen und die weite Küstenlinie nach Westen.





Der Palast von Knossós


In über 30 Jahren mühsamster Kleinarbeit wurde das riesige Areal, 6 km südöstlich von Iráklion gelegen, Anfang des 20. Jahrhunderts (Start März 1900) freigelegt. 

Tatsache ist allerdings, dass hier nicht die Ausgrabungen der ohne Zweifel beeindruckenden 3.500 Jahre alten Kultstätte gezeigt werden, sondern die fantasievolle Rekonstruktion eben dieser Palastanlage durch den britischen Archäologen.
Die Rekonstruktionen und Deutungen von Arthur Evans sind für geschichtlich interessierte Besucher zumindest fragwürdig. Andere wieder schwärmen, denn so erlebt auch Otto Normalbesucher kein ödes Ruinenfeld, sondern die Faszination dieser gigantischen Anlage.




Touristentrubelmäßig hatte ich Mitte Juni großes Glück. In der Hauptsaison ist das Gelände bekanntermaßen überlaufen. Und durch die vielen Gruppen mit Gasteführern kommen an manchen Stellen mitunter sehr lange Wartezeiten zustande, heißt es in den Reiseführern.

Will man wirklich viel sehen, muß man viel herauf-, herab- und herumwandern. Das ist - selbst in der Junimorgenhitze - wahrlich kein entspannter Urlaubstag. Empfohlen wird, schon zu den Öffnungszeiten (8 bzw. 8:30 Uhr) mit dem Rundgang zu beginnen - also rechtzeitig bevor die endlosen Kolonnen von Touristenbussen heranrollen.
















Ágios Nikólaos, kurz Ágios




Die kleinste Distrikhauptstadt Kretas, eine Gründung der Dorer, hat keine geschichtsträchtigen Schlagzeilen gemacht, hat auch kaum historisches Ambiente. Innerhalb weniger Jahrzehnte ist sie vom Dorf zur Stadt herangewachsen. Inzwischen Touristenzentrum Ostkretas, wirkt Ágios Nikólaos - jedenfalls auf mich - selbst an Wochentagen ziemlich verschlafen. Ein paar schattige Alleen, eine Fußgängerzone mit Geschäften, der Hafen und gleich dahinter ein dunkelgrüner Binnensee, in dem der Meeresforscher Jacques Cousteau getaucht und den Grund nicht gefunden haben soll. Es gibt einen Haufen Hotels, die ich ebenso wie die paar Touristen kaum wahrgenommen habe.






Ágios Nikólaos - Hotel Creta -
inkl. Terrasse hoch über dem Meer









Hier bewohnte ich - bei zauberhaften (!) Gastgebern - meine spektakulärste Ferienwohnung auf Kreta, die jeden Fernseher (Laptop, Smartphone) und manch ein Ausgehen total überflüssig macht. Das Stadtviertel zieht sich hinauf auf einen Hügel, das vielgelobte Hotel liegt hoch über dem Hafen. Mein Ausblick ist grandios ... und schweift bis zu den Küstenbergen auf der gegenüberliegenden Seite der Mirabéllo-Bucht. Morgens begrüßt den Schläfer die aus dem Meer aufsteigende Sonne. Tagsüber ziehen Segelschiffe vorüber, im Hafenbecken paddeln Schwimmer, hin und wieder nähert sich ein Fährschiff, manchmal auch ein Kreuzfahrtdampfer. Abends blitzen und blinken die Lichter von Stadtzentrum herüber.






Eloúnda und Kalidon



In das 10 km von Ágios entfernte Straßendorf Eloúnda fallen tagtäglich Dutzende Touristenbusse und Ausflugsboote ein. Auch um die in Ágios markschreierisch angebotene Tour u.a. auf die ehemalige "Lepra-Insel" Spinalónga anzutreten. (Auf Kreta war diese Art der Isolation von 'Aussätzigen' noch bis weit ins 20. Jahrhundert üblich.)



Der Strand von Pláka



Die rund 35 km Küstenstraße von Ágios über Eloúnda und Pláka hinauf bis zur Landspitze mit dem Leuchtturm Aforesmenos bietet fantastische Panoramablicke.


 Oben rechts und unten Ausläufer der Spinalónga-Insel







Mein Weg nach Sitía - Sitía












Toplou Kloster


Und schon wieder "eines der meistbesuchten und bedeutendsten Klöster Kretas". Als ich um die Mittagszeit ankam, wurde es gerade geschlossen (was so nicht im Reiseführer stand).



Vulisma und Vái Strände




Ein Meer von hohen grünen Palmen drängt sich zwischen Felsen weit ins Hinterland. Davor eingebettet der Strand von Vái, feiner Sandkies, üppige Vegetation in steiniger Einöde. Nicht "mein Ding", denn hier liegen die Touristen wie Sardinen (in Öl) dicht bei dicht.




Kritsá


Nur 10 km bergwärts von Ágios: terrassenförmig drängen sich die pastellfarbenen und schneeweißen Häuser dicht  an den Hang, darüber eine Reihe Olivenbäume und der nackte Fels - das Urbild eines kretischen Dorfes







Panagía i Kerá, die Kirche Kretas mit den besterhaltenen byzantinischen Wandmalereien.



Pefki











Demnächst poste ich: 2007, encore une fois Paris, 
z.B. die alten Ladenpassagen, Friedhöfe, La Défense, Flohmarkt Porte de Clignancourt, Versailles ...