Sonntag, 13. August 2017

Vietnam 2008 der Norden (1), Hanoi, Hoa Lu, Tam Coc, Perfume Pagode, Vietnam Museum of Ethnology ....





Hauptstadt Hanoi, Hà Nội


König Lý Thái Tổ (974-1018), Herrscher des Reiches Đại Cồ Việt auf dem Gebiet des heutigen Nord-Vietnam, gründete Hanoi. 2010 wurde übrigens dessen 1000-jähriges Bestehen gefeiert. Die große Denkmal-Anlage steht auf der nördlichen Seite des Hồ Hoàn Kiếm (See).



Woran der Tourist nicht vorbeikommt:

Der Hồ Hoàn Kiếm (der See des zurückgegebenen Schwerts), heißt es, sei die Seele der Stadt. Über die millionenfach fotografierte Huc-Brücke (Brücke der aufgehenden Sonne), vorbei am 9 m hohen Thap But (Schreibpinsel-Turm), gelingt man auf die Jadeberg-Insel mit dem Jadeberg-Tempel. Das alles ist für die Stadtbewohner emotionell sicherlich bedeutsam, aber außer der malerischen Brücke ganz und gar nicht aufsehenerregend, dafür jedoch von Menschen überquellend. Um hier ein Foto ohne eine Menschentraube zu machen, muß man recht lange auf eine günstige Sekunde warten.




Hồ Hoàn Kiếm See: Früh am Morgen praktizieren die ersten Vietnamesen Thai-Chi am Ufer. Erwacht die Altstadt dann zum Leben, spielen Männer in den Grünanlagen Mah-jongg oder Schach, während die Touristen um den See spazieren. Dort sitzen auch Studenten, die gerne mit einem Ausländer ins Gespräch kommen, um ihre Englischkenntnisse anzuwenden. Abends trifft man junge Liebespaare, denen aufgrund der beengten Wohnverhältnisse zuhause jegliche Privatsphäre fehlt, und an den Wochenenden sind die Anlagen bei jungen Einwohner als idealer Platz zum Chillen beliebt. Es gibt allerlei Straßenstände mit Alkohol, Tee, Eis und kleinen Snacks sowie Wasserpfeifen.



Höchst selten fotografiert, das im sozialistischen Stil geschaffene Märtyrerdenkmal - aus weißem Marmor - zum Gedenken an die Gefallenen im Kampf für die Unabhängigkeit Vietnams (1867 begannen die Franzosen Vietnam auszuplündern -  1975 war endlich Kriegsende, 1976 Wiedervereinigung).


Hang Da - Straße des Leders, heute Schuhe



Phở Gà ist die Hühnersuppe mit Nudeln, Bún sind Reisnudeln usw.



Schnappschüsse vom Straßenmarkt an/in der Phố Gia Ngư in der Altstadt










Wenn man kurz nach der Öffnung um 9 Uhr das "Memorial House" besucht, kann man dieses im traditionellen chinesischen Stil erbaute Wohnhaus (hier 6 Bilder) in der 87 Hang Ma May, ganz alleine durchwandern (über die Mittagszeit geschlossen!)

Es war einst das Domizil eines wohlhabenden chinesischen Kaufmanns und ist eines der original Häuser aus dem 19. Jahrhundert mit zwei Innenhöfen und schöner Möblierung. Es wurde 1999 renoviert und ist heute noch teilweise bewohnt. 







Für Europäer ist Hanois Altstadt ist ein ganz besonderes Erlebnis, fühlt man sich doch ein wenig in das alte Vietnam versetzt. Auch wenn heute mehr als 50 Straßen in der Altstadt existieren und nicht mehr nur die 36 Gassen der Gilden aus dem 13. Jahrhundert, sind dennoch meist gleichartige Waren in einer Straße zu finden. Die Namen der Straßen beginnen mit Hang, das für Handelsware steht. Anschließend wird der Warenname angehängt, wie beispielsweise Hang Ma May für Rattan, Hang Thuoc Bac für die Kräutermedizin oder Hang Tre für Bambus.


Hang Thiec - Straße der Blechwaren; heute gibts hier auch Aluminium und Spiegel



In den 50er Jahren hatten die traditionellen Dreiräder die uralten, noch zu Fuß gezogenen Gefährte ersetzt. Und während Fahrrad-Rikschas in Europa wieder 'modern' werden (z.B. in Berlin), müht sich die vietnamesische Regierung sie von den Straßen zu verdrängen. Überall werden Verbotschilder aufgestellt, und seit 2001 vergibt man für diese Dreirad-Taxis keine Lizenzen mehr.






Hang Quat - Straße der zeremoniellen Fächer; heute gibts hier religiöse Gegenstände


Hang Ma - Straße der Papierwaren, und das seit mindestens 500 Jahren. In Vietnam wird die alte, usprünglich aus China stammende Kunst der Lampion-Herstellung gepflegt.



Hang Chieu - Straße der Grasmatten, heute gibts hier Matten und Seile


Hang Bac - Silberstraße, hier findet man Gold- und Silberschmiede sowie Steinmetze


Stadttor O Quan Chuong: Das einzige noch erhaltene Tor der äußeren Stadtmauer um die ehemalige Hauptstadt Thang Long, das heutige Hanoi. In der Regierungszeit des Königs Le Hien Tong, vor fast 300 Jahren, hat es in Thang Long bis zu 16 Stadttore gegeben. Fast alle wurden durch Kriege zerstört. Jedoch wurden die Namen dieser Tore zu Namen der Straßen und Stadtviertel.



Diesen "sozialistischen"  Häusertyp (Karnickelkäfig) findet man in allen größeren Städten Vietnams. In der DDR hieß die architektonische Entsprechung "Platte", war aber um einiges komfortabler.




Elf Aufnahmen vom ameisig-lebhaften großen Dong Xuan Markt.










Touristenattraktion - warum nur? 

Die verwitterte, neugotische römisch-katholische St.-Joseph-Kathedrale aus dem 19. Jahrhundert, errichtet  nach dem Vorbild Notre Dame, eine religiöse und politische Machtdemonstration der Kolonialherren. Um die Kirche bauen zu können, zerstörten die Franzosen die alte Bao-Thien-Pagode, die mehr als 800 Jahre dort gestanden hatte.

Dominikaner aus Portugal und Spanien waren die ersten (16. Jahrhundert), die den Vietnamesen das Christentum aufschwatzten. Ihnen folgten wenig später französische und portugiesische Jesuiten. Nach den Philippinen lebt in Vietnam heute die zweitgrößte Gemeinde südostasiatischer Christen (7-10% der Bevölkerung).



Im buddhistischen Quán Sứ Tempel (auch Ambassador's Pagoda), 73 Quan Su Straße, geht es ganz locker zu - außer vor dem Schrein. Im 15. Jahrhundert wurde der Tempel direkt in ein Häuserkarree integriert. Am späteren Nachmittag, wenn die Menschen von der Arbeit kommen, schauen sie hier kurz nochmal vorbei. D.h. voll liebenswürdiger Stadtmenschen und ziemlich Touristen-frei.





Am Thong Nat-Park: Diese junge Hanoierin findet mich nicht nur bestaunenswert, sie bietet mir auch zwei- dreimal ihre Bonbontüte zum Reingreifen an.


Im Französischen Viertel gibt es auch zahlreiche top-chice Läden.



Die Luong Van Can ist eine der vielen quirlig belebten Altstadtstraßen durch die Menschenmengen, Moped- und Autoschlangen in einem steten Fluß strömen. In den Spielwarenshops türmt sich das Angebot bis unter die Decke.



Nahe dem Westsee liegen im weitläufigen Bach Thao Park (mit 250 verschiedenen Pflanzen und Blumen aus allen Teilen Vietnams) u.a. das Hồ Chí Minh-Mausoleum, das Hồ Chí Minh-Museum sowie das einstige Wohnhaus mit Arbeitsstätte von 'Onkel Ho'. 

Beim Bau der Ruhestätte ließ man sich vom Lenin Mausoleum inspirieren; in seinen Dimensionen soll es das Moskauer Vorbild aber weit übertreffen. CNN International stufte es 2012 als das "sixth most ugly" Gebäude der Welt ein.

Hồ Chí Minh (1890-1969, Foto 1946) war für einfachen Lebensstil, Bescheidenheit und Integrität bekannt, obwohl er schon während seiner Präsidentschaft wie auch nach seinem Tod Mittelpunkt eines großen Personenkults war. Er bestimmte, dass seine Leiche verbrannt und die Asche in Nord-, Mittel- und Südvietnam vergraben wird - - -


Besuchen kann man Hanois Top-Sehenswürdigkeit mit dem Einbalsamierten nur vormittags (ab 8 Uhr). Je später man kommt, desto länger ist die wartende Besucherschlange. Respektvolle Kleidung wird erwartet, kurze Hosen oder Röcke gehen garnicht. Die Hände soll man nicht in die Hosentaschen stecken, die Arme nicht auf der Brust verschränken. Photos und Videos sind im Mausoleum verboten; Essen, Trinken und Rauchen sowieso. Taschen, Rucksäcke, Kameras jeder Art (auch die allerwinzigste), Handies usw. müssen vorher abgegeben werden.

Nach all den präzisen Eintrittsprozeduren verstummen die vietnamesischen Besucher, sind schlagartig ergriffen und andächtig - während die Touristen sich der ausbreitenden Stimmung anpassen.


Der einbalsamierte Körper des Revolutionärs, Politikers, Premierministers und Präsidenten Hồ Chí Minh (es war einer seiner vielen Decknamen, den er später aber behielt) liegt in einem Glas-Sarg im Schummerlicht der monströsen, fensterlosen, gekühlten Zentralhalle des Museums, bewacht von einer militärischen Ehrengarde. Langsam und stumm umrundet die Besucherschlange den Sarg in gebührendem Abstand, viele Vietnamesen mit Tränen in den Augen, als sei der Mann gerade erst gestorben. Es ist eine unheimliche, unwirkliche Prozession in bedrückender Atmosphäre.



Ziemlich vis à vis vom Mausoleum noch ein Märtyrer-Denkmal (siehe Anfang dieses Posts)



Im kleinen Lenin-Park.


Ganz in der Nähe des Mausoleums befindet sich diese Straße, in der sich ein Sarg- und Grabschmuck-Geschäft an das andere reiht. Die farbstarken Kondolenzkränze sehen alle ziemlich gleich aus.




Eine der sehenswertesten Attraktionen Hanois, 
der Literaturtempel - Văn Miếu-Quốc Tử Giám -
ein konfuzianischer, als Nationalakademie erbauter Anlagenkomplex. 


1076 wurde im Gedenken an den weisen Konfuzius (Khổng Tử) als Quốc Tử Giám (Kaiserliche Akademie) die Nationale Universität auf dem Gelände des Literaturtempels gegründet. Die Anlage ist bis heute zwar das Hauptheiligtum Vietnams, gleichwohl ist sie weder Tempel, noch dient sie religiösen Zwecken. Vielmehr handelte es sich um die erste Akademie des Landes, in der zwischen 1076 und 1915 die Söhne der Mandarine und verschiedene Hochbegabte der bürgerlichen Aristokratie unterrichtet wurden.


Im dritten Innenhof stehen die Artefakte des Stelenhofes. Beiderseits finden sich hier die 82 verbliebenen Stein-Stelen - 34 Stelen sind nicht mehr vorhanden - auf denen Name, Geburtsort und Ergebnis der Doktorprüfung der insgesamt 1307 Absolventen der kaiserlichen Prüfungen während der Lê- und der Mạc-Dynastien 1442 bis 1779 eingemeißelt sind. Jede Stele steht auf dem Rücken einer Schildkröte, die Kraft und ein langes Leben verkörpert.



Der Tempel besteht aus fünf aufeinanderfolgenden Höfen. Die Zahl 5 hat im Konfuzianismus besondere Bedeutung. So gibt es bspw. 5 Elemente (Metall, Holz, Wasser, Feuer, Erde) und 5 Tugenden (Güte, Gerechtigkeit, Höflichkeit, Weisheit, Loyalität).




Der eigentliche Konfuziustempel liegt im 4. Hof. Er besteht aus dem 'großen Haus der Zeremonien' und der 'Halle des großen Erfolgs'. Das Zeremonienhaus ist ein offener Pavillon, der innen mit rotgoldenen Schnitzereien von Drachen (Symbol des Königs/Kaisers) und Phönixen (Symbol des Universums) verziert ist. Konfuzius' Statue auf dem Hauptaltar wird umgeben von zwei großen, auf Schildkröten stehenden Bronzekranichen (Symbol der Einheit von Himmel und Erde).



Im vierten Hof stehen zu beiden Seiten Pavillons, die ursprünglich dem Andenken an die 72 bekanntesten Schüler von Konfuzius dienten. Heute finden sich hier Büros und Andenkenläden und ein kleines Museum.




Die große Trommel, die zu Zeremonien geschlagen wurde.






Es folgen 10 Aufnahmen: Aussichten von meinem Balkon über die Altstadt Richtung Norden und das Zimmer im 4. oder 5. (?) Stock des Lucky Star 1 Hotel in der 11 Bat Dan (inzwischen gibt es auch ein Lucky Star 2 Hotel). 

2008 - sehr freundlich, sauber, preisgünstig, hilfsbereit, Kaffee/Tee-Zubereitung im Zimmer, gutes Frühstück.


Vor Ort auf Zimmersuche - - - sollte man (mit zurückhaltendem Interesse!) grundsätzlich erst das angebotene Zimmer und das Bad inspizieren (ggf. darauf dringen weitere Zimmer anzusehen), ehe man irgendetwas sagt, gar bucht oder bezahlt.











Figur im Vietnam Museum of Ethnology. Aufnahmen von diesem Museum, eine der sehenswertesten Attraktionen Hanois, folgen weiter unten - nach der Perfume Pagode.


In meinem ersten Post über Vietnam schrieb ich, dass ich - - - seine Menschen - von jung bis alt, von gut situiert bis bettelarm - als die weltweit liebenswürdigsten und aufgeschlossensten, die wissensdurstigsten und hilfsbereitesten Menschen erlebt - - - habe. An dieser Erfahrung hat sich nichts geändert, was nichts daran ändert, dass es man natürlich auch in Vietnam in problematische Situationen geraten kann  ... über die ich in obigem Artikel berichte. Den unverschämtesten Vorfall (Touristen verscheißern) -  ausführlicher oberer Teil - verdanke ich dem damaligen Manager des Ocean Star II Hotel.

Die Namen Ocean Star Hotel und Ocean Star 2 Hotel findet man nach wie vor im Internet, aber nur noch unkonkret und nicht unter den damaligen Adressen. Solche kleineren Hotels machen häufig zu und wieder neu auf. Gibt es neue Besitzer, wird das Hotel renoviert (selten als das alte erkennbar) und umbenannt.

Meine Erfahrung aus dem Ocean-Star-Erlebnis: Vor jeder Reise ins Unbekannte drucke ich ein Bild der (gebuchten) Hotel-Front aus. Entspricht das Bild nicht jenem Gebäude, wohin mich der Fahrer bringt, bezahle ich ihn (ohne jede Diskussion!!! auch wenn die Fahrt 'umsonst' war), steige samt meinen Siebensachen aus und nehme eine reguläre Taxe, um mir ein anderes Hotel zu suchen.


Hoa Lu Tempel


Ganztägiger Ausflug, vormittags Richtung Ninh Binh, Besuch Hoa Lu, die alte Königs-Hauptstadt von Vietnam, daselbst Tempel-Besuch. Mittags weiter nach Tam Coc (folgend) für 20 US$.




















Zugegeben, die Szene ist gestellt. Der Mann (Bauer?) posiert mit seinem Wasserbüffel und hofft auf ein (gutes) Trinkgeld. Allerdings ist alles ganz echt; auf den Feldern sehen die Bauern mit ihren Tieren tatsächlich so aus.


Tam Coc, Tam cốc


Drei Kilometer sind es von Tam Coc zum Bootsanleger Van Lam. Hier wird uns das Mittagessen aufgetischt. An den zahllosen im Wasser schaukelndem Blechkähnen warten Ruderer und Ruderinnen auf Touristen, die zumeist in Bussen anrollen und ihre Kahnfahrt zu den Tam Coc Grotten schon mit der Ausflugstour bezahlt  haben.

Bis zu 4 Personen werden von zumeist einem/einer Einheimischen (oft samt Sohn oder Tochter) auf dem Ngo Dong River etwa 3 Stunden lang zu den Grotten und zurück gerudert. Wenn die Ruderer Glück haben, können sie gerade einmal zwei solcher Touren am Tag absolvieren. Man schippert durch eine malerische Landschaft, zunächst vorbei an Reisfeldern, dann zwischen karstigen Buckelbergen. Bei Sonnenschein muß das traumhaft sein; wir hatten leider trübes Wetter und sehr grauen Himmel.








Die größte Grotte, durch die man hindurchgleitet, ist 125 lang, die Höhe beträgt etwa 2 Meter - vom Wasserspiegel bis zur "Decke" -, verziert mit fantastischen Stalagtiten und Stalagmiten, die in allen Farben wie Edelsteine funkeln (allerdings nur, wenn Sonne über den Wasserspiegel in die Grotte blitzt! Bei trübem Wetter funktioniert das Schauspiel nicht!)






Hang Ca ist die bizarrste Grotte. Von dort bis zur 60 Meter langen Hang Hai ist es noch ein Kilometer. Die letzte, Hang Ba, ist 50 Meter lang. Diese Bootsfahrt ist ein einmaliges Naturereignis, das man leider viel zu wenig genießt, weil man entlang der gesamten Stromstrecke durch die engegenkommenden oder überholenden Touristenboote - zumal in den Grotten - durch Rufe, Winken und Lachen ständig abgelenkt wird.







Unter anderem in tripadvisor gibt es viele Westler (die Vietnamesen sprechen von "Mister Westener = Ong Tay") die diese Bootstour nicht nur sehr negativ bewerten, sondern obendrein bösartige Kommentare hinterlassen. Denn die Ruderer versuchen - etwa gegen Ende der Tour - den ihnen im Boot nicht ausweichen könnenden Touristen Souvenirs aufzuschwatzen (in unserem Fall angeblich selbst Gesticktes). 

Zugegeben, das kann nervig sein; muß es aber nicht, wenn man es richtig anstellt, und wenn man sich für einen kleinen Moment in die Lage dieser Menschen versetzt (wie es gerade in einem Reiseland à la Vietnam angebracht wäre). Denn keiner der bösartigen Bewerter hat auch nur eine Sekunde daran gedacht, dass die Einheimischen, die täglich diesen Job machen (samt ihren zumeist großen Familien), nur einen klitzekleinen Bruchteil von dem zum Leben haben, was ihre Fahrgäste verfrühstücken.

"Nervige" Verkäufer kann man auf dieser Tour leicht "ruhig stellen", indem man ihnen - just wenn sie mit ihren Anpreisungen beginnen - ein ordentliches Trinkgeld (đầu) gibt, verbunden mit deutlichen Gesten, dass man nichts kaufen werde. Meine ältere, sehr schick gekleidete US-amerikanische Mitfahrerin kaufte nichts und gab auch keinen einzigen Dong Trinkgeld. [10.000 Dong = 0,37 Euro / 2017].





Duftpagode, Perfume Pagoda, Chùa Hương


Chùa Hương, die Perfume Pagode in der Huong Son Kommune, etwa 70 km südwestlich von Hanoi gelegen, ist eines der wichtigsten Pilgerziele, ein riesiger heiliger Komplex von Pagoden und buddhistischen Heiligtümern in einem landschaftlich interessanten Gebiet mit den Kalksteinfelsen der Huong Tich Mountains, das auf romantischen Wasserwegen und steilen Bergpfaden erkundet werden kann. Jedes Jahr zu Tet strömen hundertausende Vietnamesen hierher.

Diese Tagestour habe ich an einem Montag Ende Februar, offensichtlich waren gerade/noch Feiertage (?) (u.a. das Chùa Hương Festival dauert von Januar bis Anfang April) angetreten, denn in dem rappelvollen Ausflugsbus saßen überwiegend Hanoianer aller Altersgruppen. Neben mir eine perfekt Englisch sprechende junge Vietnamesin, mit der ich mich die etwa eineinhalb-stündige Busfahrt (von Hanoi Zentrum bis Đền Trình) lebhaft unterhielt.


Am Bootsanleger in Đền Trình (die ersten 6 Aufnahmen) warten hunderte und aberhunderte dieser "Blechkähne" (flaches, breites Ruderboot = Sampan) auf Gläubige, Pilger, Ausflügler und Touristen, die dann bis zu 20 (?) Personen von jeweils zwei Männern 5 km auf dem Suối Yến nach Nhà Hàng quỳnh Phương gerudert werden.


Meine o.g. vietnamesische Bus-Nachbarin nach dem Anlaß ihres Ausflugs befragt, erzählte mir, sie hätte zwei Jahre lang keine Opfergaben in einen Tempel gebracht und dort auch nicht für die Familie gebetet. Jetzt sei es höchste Zeit, denn sie wünsche sich eine neue Wohnung und eine neue Arbeitstelle - wofür sie beten werde.









Leider - auch auf dieser Bootstour durch eine grandiose Landschaft schien keine Sonne, der Himmel war grau verhangen. Dafür wimmelte es auf dem Suối Yến - stromauf und stromab - nur so von Kähnen, die mit Tempelbesuchern bis auf den letzten Platz besetzt waren. Vietnamesen und Westler  (die Vietnamesen sprechen von "Mister Westener" = Ong Tay) winkten sich oft lachend, fröhlich grüßend und Unverständliches rufend zu.




Anläßlich des vietnamesischen Neujahr (Tet-Fest) 2002, sollen am 6. Tag des ersten Mond-Monats 3.000 Kähne voller Pilger diese Flußstrecke befahren haben; das Bootschaos soll sich erst nach 21 Uhr wieder aufgelöst haben.






Am Bootsanleger von Nhà Hàng quỳnh Phương das gleiche Bild wie bei der Start: Ein unüberschaubares Meer von rostfarbenen schaukelnden Kähnen. Man kommt in Sorge, ob man für die Rückfahrt "sein" Boot überhaupt wiederfinden werde.


Gekocht oder gegrillt, mit Krabbensauce oder Reisnudeln: Der Hund, bester Freund des Menschen, steht in Vietnam immer noch auf vielen Speisekarten. Für frischen Nachschub sorgen oft Diebesbanden.
Für Europäer gewöhnungsbedürftig: Gekocht oder gegrillt, mit Krabbensauce oder Reisnudeln: Hunde stehen immer noch als traditionelle Spezialität auf manchen Speisekarten. Für Nachschub sorgen spezielle Züchter und wohl auch Diebesbanden. Gleichzeitig gibt es viele Vietnamesen, die Hunde als wachsames Haustier halten oder - wie bei uns - als verhätscheltes Kuscheltier. Aber - die Einstellung zu Hundefleisch wandelt sich. Die junge Generation findet immer weniger Geschmack an einem Tier, dass dem Menschen als Begleiter und Beschützer dient.

Im übrigen sollte sich die Empörung in Grenzen halten. In Europa werden lebende Hummer in kochendes Wasser geworfen und afrikanisches Exotenfleisch (aussterbender Wildtierarten) serviert, in Ecuador Meerschweinchen aufgetischt, und in Italien kommen Singvögel in die Pfanne (zart gegrillt auf die Polenta) .... 

Und erzähle ja keinem Vietnamesen, dass du gerne mal einen Hasenbraten isst!

Gekocht oder gegrillt, mit Krabbensauce oder Reisnudeln: Der Hund, bester Freund des Menschen, steht in Vietnam immer noch auf vielen Speisekarten. Für frischen Nachschub sorgen oft Diebesbanden.
Gekocht oder gegrillt, mit Krabbensauce oder Reisnudeln: Der Hund, bester Freund des Menschen, steht in Vietnam immer noch auf vielen Speisekarten. Für frischen Nachschub sorgen oft Diebesbanden.




Auch gewöhnungsbedürftig ist manch öffentliches Örtchen, manchmal auch in einfachen Restaurants. Hotelgäste, auch in kleinsten Gästehäusern, müssen natürlich nicht in so eine Bodenschale zielen und die "Bescherung" mit gefülltem Wassereimer wegspülen.

Das benutzte Toi-Papier gehört in den Mülleimer, das gilt übrigens auch in vielen kleinen Hotels und Restaurants (in alten und älteren Häusern) Südostasiens, weil sonst die Ablußrohre verstopfen; ihr Durchmesser wurde einst zu klein festgelegt.


Noch in ausgelassen fröhlicher Stimmung steigt der endlose Pilgerstrom die lange steile Treppe hinab in "die schönste Höhle des Südens". Dort wimmelt es von ankommenden, verweilenden, betenden und zurückkehrenden Pilgern. Wir - ein paar Europäer - verloren uns in den vietnamesischen Massen.




Im Hintergrund wird die Göttin der Barmherzigkeit Quan Am Nam Hai verehrt.






Mir war die Göttin nicht besonders barmherzig, wohl aber mehrere Pilgerinnen. Offensichtlich mangels Flüssigkeitzufuhr bekam ich, kaum zurück auf der Treppe, einen Kreislaufkollaps, versuchte mich noch die vom Regen glitschigen Stufen hochzuschleppen, als ich von drei oder vier Frauen kräftig gepackt und nach oben befördert wurde, wo man mir eine Sitzgelegenheit erstritt und zwei Wasserflaschen schenkte. Die barmherzigen Damen begleiteten mich (auf wackligen Beinen) sogar zur Toilette und entließen mich erst, als ich - wieder bei Sinnen - mit ihnen lachen konnte.



Rund um die Heiligtümer existiert ein gewaltiger Rummel von Essenständen, Buden mit Süßigkeiten, riesigen Restaurants, Verkaufsständen für jeden denbkaren Krempel, Andenkenshops und vor allen Dingen Läden, in denen (siehe oben und unten) die für jeden Gläubigen unverzichtbaren Opfergaben verkauft werden.







Nach reichlichem Mittagessen in einem der auf Massenabfertigung eingerichteten Hallen ging es treppauf zur Thien Tru Pagode. Die wörtliche Übersetzung bedeutet Küche des Himmels, Kaiser Le Thanh Tong ließ sie im 18. Jahrhundert errichten. Ihre dekorativ geschwungenen Dächer erinnern an den Literaturtempel in Hanoi.

Zweimal zerstört und zweimal wieder aufgebaut zählt sie zu dem Schönsten der vielen Tempel im Parfume Komplex, samt einem Monolith aus Granit, genannt Tower Thuy Tien, im Innenhof der Pagode.







Hanoi, Vietnam Museum of Ethnology,
Bảo tàng Dân tộc học Việt Nam


Als eine der sehenswertesten Attraktionen Hanois zeigt dieses Museum auf einem 13.200 m² großen Gelände im Cầu Giấy Distrikt den Reichtum an Geschichte, Kultur und Leben der 65 offiziellen Völker Vietnams. 

Der Bau und die Anlage wurden 1987 begonnen und 1997 eröffnet. Das Museum ist zugleich Forschungs- und Konservierungszentrum. Die Sammlungen sind vietnamesisch, englisch und französisch beschriftet. 

 
Man erreicht das Museum für ein paar Dong mit dem Bus Nr. 14, der am Nordwestufer des Hoan Kiem Sees startet. Am besten man zeigt dem Fahrer (auf einem Plan) den vietnamesischen Namen des Museums, dann gibt er einem ein Zeichen, wenn man aussteigen muß.









Das Museumsgebäude hat u.a. 2.500 qm Ausstellungsfläche und wurde mit Hilfe des Musée de l'Homme in Paris gestaltet. Viele Objekte sind (leider) hinter Glas und (leider) so vielfältig ausgeleuchtet und angestrahlt, dass man kaum ein ordentliches Foto zustande bringt.












































Ein paar historische Fotos, wie die Menschen früher lebten.





Das sündhaft Teuerste und Aufwendigste im Leben eines Vietnamesen und einer Vietnamesin dürfte die Hochzeit sein. Ich empfehle hierzu die amüsante Schilderung "Das ganz große Geschäft mit dem Lächeln" vom Januar 2007 auf SPIEGEL Online zu lesen.

Eine dazugehörige Selbstverständlichkeit sind die Hochzeitfotos und das aufwendige Hochzeitfotoalbum, realisiert nur von einem professionellen Hochzeitsfotografen-Team. Unter anderem werden die Paare vor einem fotogenen Gebäude (in Hanoi die Oper) oder einer illustren Kulisse (wie hier im Museum) glamourmäßig in Szene gesetzt. Da in Vietnam konzentriert nur in einer bestimmten Jahreszeit und da wieder konzentriert nur an bestimmten Tagen geheiratet wird, drängen wie hier die Paare und ihre Foto-Teams samt Ausleuchter, Visagisten, Kleiderglattzieher ...vor der schönsten location.








Direkt im Anschluß folgt hier der 2. Teil:
Vietnam 2008 der Norden
, Ha Long Bucht, Hang Dau Go Grotte, Hoi An, Whale Island ...



Demnächst poste ich:
Amsterdam und Umgebung, 2008
Mallorca - Cala Figuera, 2008

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